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Alpenüberquerung - Vom Watzmann zu den Drei Zinnen

Aktualisiert: 20. Dez. 2023

In 7 Tagen vom Watzmann zu den Drei Zinnen - eine Alpenüberquerung, die viele atemberaubende Aussichten, Augenblicke und Eindrücke bereit hält. Und gleichzeitig, das verspreche ich Dir, Dein Innerstes mit Leichtigkeit zur Ruhe bringt.


In diesem Beitrag möchte ich Dir von meiner Wanderung über die Alpen erzählen. Wandere mit mir Tag für Tag und erlebe, wie vielfältig unsere Natur ist. Ich durfte einmal mehr feststellen, dass den Bergen ein ganz besonderer Zauber inne wohnt. Die Stille, die einem fast den Atem raubt. Jeder Tag, jede Tour war für sich traumhaft schön und hielt eindrucksvolle Moment bereit.

Atemberaubende Natur, viele Gefühle und viele Höhenmeter und Schritte später kann ich nur zwei Gefühle festhalten: Leichtigkeit und Glückseligkeit!


Freie Sicht auf den Großglockner bei Sonnenuntergang

Bevor Du nun Tag für Tag mit mir die Alpen überquerst, möchte ich Dir ein wundervolles Sprichwort dalassen, welches meine Empfindungen dieser 7 Tage perfekt zusammenfasst.


In den Bergen werden Worte überflüssig, weil der Augenblick bis an den Rand mit Sinn gefüllt ist.

Wer die Berge liebt und diese Gefühle nachempfinden möchte, sollte öfter Bergtouren machen!


Gerne kannst Du hier zu den einzelnen Tagen springen:



 

Tag 1: St. Bartholomä zum Kärlingerhaus


Los ging es in Schönau am Königssee, über den Königssee rüber nach St.Bartholomä. Inklusive Trompetenkonzert an der berühmten Echowand, wo man das Echo gleich zweimal hört.

In St. Bartholomä angekommen, haben wir die Route kurz besprochen und sind dann auch schon los. Es ging durch einen schönen Steig im Wald nach oben. Auf einer kleinen Lichtung haben wir nach gut 2h eine kleine Pause eingelegt, umgeben von einem kleinen Bachlauf und vielen Schmetterlingen. Danach ging es in die Saugasse. Hier staut sich an warmen Tagen ganz schön die Luft, sodass wir hier vermutlich alle automatisch einen Schritt schneller geworden sind.

Weiter oben haben wir noch einen kurzen Blick nach hinten, auf den Watzmann, geworfen bevor nach ein paar Kurven auch schon das Kärlingerhaus am Funtensee sichtbar wurde. Vorbei an ein paar Murmeltieren waren wir alle froh, dem Ziel nun nahe zu sein.

Ein kühles Getränk musste her und wir waren uns alle einig - heute ist es warm genug, um in den kältesten See in Deutschland zu gehen.

Gesagt getan! Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, sind wir gemeinsam zum See, um uns die wohlverdiente Abkühlung zu gönnen. Und es war definitiv eine Abkühlung, denn der Funtensee ist der kälteste See Deutschlands ‑ an Weihnachten 2001 wurde mit minus 45,9° Celsius sogar die tiefste jemals in Deutschland registrierte Temperatur gemessen. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht.


Achso, beim Kärlingerhaus gibt es keinen Handyempfang und man kann die Ruhe mit Murmeltieren und Gleichgesinnten genießen. Lecker Essen gibt’s on top!

Wenn ihr die Tour also mal geht ‑ Wetterbericht checken, Handtuch einpacken, Handy beiseite legen und ab in den Funtensee ❤️⛰️🥾



Tag 2: Kärlingerhaus über Riemannhaus zur Trauneralm


Nach einem kräftigenden Frühstück ging es los - ab durchs Steinerne Meer zum Riemannhaus. Einfach ein grandioses Naturwunder. Vor allem, wenn man die Entstehungsgeschichte berücksichtigt und sich vor Augen führt, dass das Steinerne Meer tatsächlich mal ein Meer war. Wer mehr wissen möchte, liest sich die Entstehung der Alpen durch den Ozean Tethys mal genauer durch. Wahnsinn!

Wir durften bestaunen, wie die Steingewalt mit Mustern und Muschelabdrücken versehen ist, was das Wetter, die Jahrhunderte und der Klimawandel alles bewirkt. Denn wie sagte mein Bergführer so wahr:

Die Natur kennt keinen Klimawandel. Die Natur passt sich den Gegebenheiten einfach an - Pflanzen wachsen weiter unten oder weiter oben im Gebirge, jenachdem wie sich Temperaturen ändern. Die Einzigen, die darunter am meisten leiden werden, sind wir Menschen!

Weiter in der Wanderung - im Regen ging es über Felsen, zwischen Steinwänden durch, über Schneefelder und zwischendrin gab es immer wieder Begrüßungen durch Schafe!

Schnee und Regen? Alles kein Problem ‑ gibt ja nur falsche Kleidung 😅🤞🏻

Kurz vorm Riemannhaus durfte ich noch einen Blick auf die Schönfeldspitz erhaschen. Wenn auch nicht ganz, da es recht nebelig war. Das sollte meine nächste Tour werden, da sie schon seit einem Jahr auf meiner Liste stand. Aber hoffentlich bei besserem Wetter.

Eine Einkehr im Riemannhaus ist es immer wert - so nett und urig. Wir haben uns erst einmal alle gestärkt und uns dann an den Abstieg begeben. Wenn man allerdings einige Stunden Wanderung in den Knochen hat, ist der Abstieg vom Riemannhaus nach Maria Alm gar nicht so ohne. Vor allem der restliche Weg ab der Materialseilbahn ging steil runter. Die Knie haben geschmerzt und der Bustransfer ins Defereggental danach war wohltuend.

Angekommen ging es dann aber doch nochmal hoch zur Trauneralm. Eine so schöne urige und herzliche Unterkunft, in der wir alle tief, fest und wunderbar geschlafen haben.



Tag 3: Trauneralm über die Pfandlscharte zum Glocknerhaus


Dieser Tag begann mit Regen, der erstmal blieb. Und das sehr lange. Wir sind also etwas später los…durch enge Pässe und mit Regenkleidung ging es den Berg zur Pfandlscharte hinauf.

Es war ein stetes und monotones Laufen, was für uns alle etwas Meditatives in sich hatte. Der Regen wurde zu Nieselwetter und weiter oben, wo es in die Schneeregion ging, hörte der Regen endlich auf. Und die Kälte zog ein.

Zwischen weißen Gipfeln und einer Lawinenschneedecke, machten wir uns mit Grödeln startklar, um den letzten Teil zur Scharte hochzukommen. Im ZickZack hoch ‑ oben weiß unten weiß. Man hat das Ende nicht gesehen, da die Schneedecke in weiße Wolken überging. Über die Scharte rüber und im Schnee runter. Rutschend, springend und lachend! Und ja, Regenhosen sind perfekt, um einfach und schnell den Berg runter zu rutschen. 😅

Am Abend wurden wir mit Sonnenschein beim Glocknerhaus und einem wolkenlosen Blick auf den Großglockner belohnt.


Eine mega Tour, die uns allen so unfassbar viel Spaß gemacht hat. Ich hatte echt Respekt vor dem Schneeteil, doch im Nachhinein kann ich sagen - Schneewanderungen machen mega viel Spaß und es wird nicht meine Letzte sein 🤍⛰️



Tag 4: Glocknerhaus zum Luckner Haus


Perfektes Bergwetter - Kaiserwetter!

Wir sind morgens früh beim Glocknerhaus gestartet und über den Wiener Höhenweg zur Salmhütte. Der Ausblick zum Großglockner und der Pasterze war wahnsinnig interessant, da nur noch wenig übrig ist und man die Linien von früher genau erkennen kann. Man sieht, wo der Gletscher mal entlang lief und wie sehr er sich zurück entwickelt. Eine besorgniserregend Entwicklung, aber auch nicht das erste Mal, dass dies so geschieht!

Auf dem Wiener Höhenweg haben wir so viele schöne Blumen bestaunen dürfen und viele Murmeltiere getroffen, sogar direkt vor unseren Füßen. Da war ganz schön was los am Berg.

Auf der Salmhütte gab es natürlich einen leckeren Kaiserschmarrn.😋

Gestärkt ging es weiter zur Glorerhütte ‑ über Flüsse, steile Treppen und engere Wege. Ich mag es ja, wenn es kraxeliger wird. Auf der engsten und steilsten Stelle sind wir dann noch Heinz Zak begegnet, mit dem unser Bergführer erstmal ein Pläuschchen gehalten hat 😎

Nach der Glorer Hütte ging’s hinab zum Luckner Haus. Nach 15km wurden die Füße hochgelegt und die Zeit zusammen genossen. Geschlafen haben wir wieder wie die Murmeltiere 😴



Tag 5: Luckner Haus über das Villgrater Törl zur Kalkstein Pension


Die Warnung der letzten Tage sollte sich bewahrheiten - Gewitterwarnung! Genau zu der Zeit, wo wir oben am Berg wären. Also hieß es sehr früh raus, und los zum Startpunkt.

Da wir die Tour trotzdem gehen wollten, haben wir sie um 2 Stunden verkürzt. Wie? Indem wir den ersten Teil der Strecke, der noch befahrbar war, mit Hilfe eines Taxis überwunden haben. 25Minuten Fahrt oder 2 Stunden laufen. Die Entscheidung fiel den Bergführern leicht, vor allem mit einem Gewitter im Nacken. Da wir mit zwei anderen Gruppen unterwegs waren, konnten wir uns zusammen tun und alles verlief unkompliziert.


Weiter oben angekommen, ging es durch eine schöne Landschaft mit lauter wunderschön wachsendem Alpenrausch. Schnell und zügig. Mit 4 Tagen in den Knochen war das gar nicht so ohne. Oben, am Villgrater Törl angekommen, gabs ein Gruppenfoto und Riegel und weiter ging’s. Doch der Weg runter hat Pausen gefordert. Es war mit Abstand die schönste Blumenwiese, die ich je in den Bergen gesehen habe. Enzian, Arnika, Gold Pippau und viele viele mehr 🌸 es war so schön. Man hatte das Gefühl genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein - ein Frühling in den Bergen. Alles blüht auf so schöne Art und Weise. Wahnsinn!


Mit dem ersten Regentropfen sind wir in der Unterstalleralm angekommen und hatten im Gegensatz zur zweiten Gruppe wirklich sehr viel Glück. Denn danach hat es so heftig geregnet, dass selbst die beste Regenjacke nichts mehr ausrichten konnte 🙈 Eine leckere Flädlesuppe später kam der Bus, der uns zur Unterkunft bringen sollte. Zur Kalkstein Pension.



Tag 6: Kalkstein über das Toblacher Pfannhorn zur Drei Schuster Hütte


Von der Kalkstein Pension ging es los Richtung Toblacher Pfannhorn. Eine schöne Wandertour - vorbei an Kühen und kleinen steileren Passagen hinauf zum Pfanntörl (2.508 m). Über den felsigen, aber unschwierigen Nordwest-Grat ging es dann weiter zum großen Gipfelkreuz des Toblacher Pfannhorns (2.663 m), von dem sich tolle Ausblicke unter anderem auch auf die Sextener Dolomiten eröffnen, wäre da nicht ein winziges Problem gewesen. Wolken! Überall!

Für uns gab es zwar keine Aussicht, aber dennoch war es wunderschön.


Runter ging’s zur Bonnerhütte, von der man ebenfalls eine wunderschöne Sicht über die Dolomiten hätte haben können, wären da nicht die Wolken gewesen 😅 Aber wir hatten auch so unseren Spaß. Kühe, die uns keinen Platz machen wollten, durch Zirbenwälder wandern und zum Schluss, zwar weiter unten, aber dennoch, lichteten sich die Wolken etwas und gaben den Blick auf die Dolomiten etwas frei.

Nach einem Transfer von 15min und einem kleinen Weg zur Drei Schuster Hütte standen wir auch schon inmitten der Dolomiten. Und schon stand uns der letzte gemeinsame Abend bevor. Erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht.



Tag 7: Drei Schuster Hütte zu den Drei Zinnen


Letzter Tag der Alpenüberquerung. Wir starten bei Sonnenschein von der Drei Schuster Hütte zu den Drei Zinnen. Es ist im Gegensatz zum Steinernen Meer so anders und genauso atemberaubend. Die Steine und Felsen sind von ihrer Struktur völlig anders. Absolute Dolomitenliebe ❤️ Es ging den Berg hoch...über Geröll, kleine Bäche und atemberaubende Ausblicke. Gelber Alpenmohn wohin das Auge blickte.


Oben angekommen war die Aussicht wunderschön und harmonisch, da wir einen Weg gegangen sind, wo nicht alle Touristen unterwegs waren. Da wir noch genügend Zeit hatten schauten wir uns noch die Schießscharten von 1915-1918 an und umrundeten die Drei Zinnen im Schnelldurchlauf. Wir sind bewusst nicht den normalen Rundweg gegangen, um der Masse zu entgehen. Denn mal ehrlich ‑ bei der Drei Zinnen Hütte laufen jeden Tag über 6.000 Menschen durch. Wahnsinn oder? Ein Tourismusmagnet mit allerlei Nationen. Vorbei war es mit der Stille der letzten 7 Tage am Berg 😅


Abgeholt wurden wir bei der Auronzohütte. Nun ging es nach 7 Tagen, die verflogen sind, schon wieder zurück nach Berchtesgaden. Zeit fühlt sich bei Wanderungen und am Berg anders an. Sie vergeht langsamer und gleichzeitig fühlt es sich am Ende einer Tour an, als ob sie gerannt ist.



Fazit: Was ich in diesen 7 Tagen lernen durfte?

Beim Wandern ist es der Weg, der die Herausforderung darstellt. Sei es durch die Ausdauer, die Länge, die Schwierigkeit, … im Leben sind es andere Herausforderungen und doch können wir sie meistern. Immer. Irgendwie. In dem wir Schritt für Schritt weitergehen. Manchmal kennen wir den Weg und das Ziel nicht. Doch wir gehen weiter ‑ im Vertrauen. Natürlich musste ich mir zwischenzeitlich gut zureden. Doch wir können viel bewegen, wenn wir in unser eigenes Vertrauen kommen. Wenn wir an uns selbst glauben! Wenn wir uns mental motivieren.

Ich habe die Stille in meinem Kopf sehr genossen. Ich war noch nie so sehr bei mir! 7 Tage lange keine ToDos, keine Verpflichtungen, kein Dazwischenreden, oft gar kein Reden,…
 beschreiben und erklären kann ich das Gefühl nur sehr schwer, doch ich würde es mit Leichtigkeit und Fülle gleichsetzen. Ich rede hier nicht von der körperlichen Anstrengung ‑ die hatte es in sich. Doch auch das gehört dazu. Den Atem zu regulieren, die Kraft in den Beinen zu spüren, dauerhafter Muskelkater in den Oberschenkeln, das Gewicht auf dem Rücken irgendwann gar nicht mehr wahrzunehmen und fast schon monoton den Berg hoch oder runter zu laufen. Man entwickelt fast schon eine Routine ‑ Wetter checken, Kleidung geschickt wählen, Rucksack nach Schema F packen, Schuhe schnüren und laufen. Und das jeden Tag aufs Neue.


Ich gehe in die Berge, um den Verstand zu verlieren und die Seele wiederzufinden.

Was ich für mich mitnehme?

.die Stille am Berg heilt, keine Worte können die Gefühle beschreiben, die ich zwischendrin hatte

.es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir 7 Tage über nichts Gedanken gemacht habe. Ich habe sogar zwischenzeitlich gar nichts gedacht

.ich habe meine Grenzen besser verstanden. War bei mir. Weiß nun, wie ich mehr bei mir bleiben kann.


Und zusammenfassend kann ich sagen, dass es eine wundervolle und herausfordernde Tour war. Es hat mir oft den Atem verschlagen, mich zu Tränen gerührt und gleichzeitig stolz gemacht, wenn ich eine Etappe geschafft hatte. Das ist nicht meine letzte Wanderung gewesen. Es ist eher der Start einer ganz wundervollen Reise!

 

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